Gemeindekonzept für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hartum

 

1. Situationsanalyse

1.1

Daten, Zahlen, Fakten

 

1.1.1. Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen  gliedert sich in drei Bezirke

Hahlen,   Hartum und Holzhausen -Nordhemmern. Sie liegt zum größeren Teil auf dem Gebiet der Kommune Hille  aber auch der Stadt Minden (vor allem Hahlen aber auch Teile Holzhausens.

Die Zahl der Gemeindeglieder beträgt zur Zeit ca. 5100 : Im Pfarrbezirk Hartum knapp 1100 von 1796 Einwohnern, Pfarrbezirk Hahlen 2200 von 3850 Einwohnern und ca 1800 in Holzhausen-Nordhemmern .

1.1.2. D.h. etwa 60-70 %   der Bevölkerung gehören zur Kirchengemeinde. Andere Konfessionen sind römisch-katholische Kirche oder Freikirchen. Die Anzahl der Baptisten ist   durch den Zuzug vieler Aussiedler aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion rapide gestiegen.

1.1.3. Die Stadt Minden ist Verwaltungs-, Wirtschafts,- und kulturelles Zentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Der Bevölkerungsaufbau weist 22 % Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren aus. 60,8 % der Wohnbevölkerung sind zwischen 22 und 65 Jahren alt, 17,2 % sind älter als 65 Jahre.

 

1.2

Geschichte

 

1.2.1. Geschichtlich gehörten die Ortschaften Hahlen und Hartum seit 1582 – zusammen mit Südhemmern, Holzhausen und Nordhemmern sowie Kutenhausen und Stemmer – zu einem selbstständigen evangelischen Kirchspiel, dem sog. „Caspel auf der Nordbörde“. Das Dorf Südhemmern wurde Hille zugeordnet, Kutenhausen und Stemmer von St.Marien–Minden aus versorgt. Hahlen, Hartum, Holzhausen II und Nordhemmern bildeten das Kirchspiel Hartum. Dieser Name ist bereits seit 1650 belegt. Von einem Pfarrer versorgt bestand bis 1766 das sogenannte Umpredigen (jeden Sonntag in einer andern Kapelle) Dessen Abschaffung und die Schwerpunktsetzung in Hartum (3 mal im Monat dort Gottesdienst) sorgte für viel Unmut.

Die Erweckungsbewegung hat auch die Kirchengemeinde Hartum bis heute erkennbar geprägt. Als eine Folge wurde in Hartum die Kirche neu gebaut und 1892 eingeweiht. 1904 wurden Holzhausen II und Nordhemmern eine selbstständige Kirchengemeinde. Dies blieb so bis zur Fusion im September 2015.

Nachdem Jahrhunderte lang die Ortschaften Hahlen und Hartum gemeindlich und pfarramtlich eine Einheit bildeten, besteht seit 1967 die Aufteilung in zwei Pfarrbezirke.

1.2.2. Im Jahre 1989 beginnt man im Bezirk Hahlen einen regelmäßigen „etwas anderen Gottesdienst“ im Gemeindehaus. Er zieht in den Anfängen über 300 Personen an und führt dazu, dass viele Menschen, die außerhalb des Gemeindegebietes wohnen, sich mit der Kirchengemeinde verbunden fühlen, ca. 70 Personen haben einen Umpfarrungsantrag gestellt. Trotzdem sind die Gemeindegliederzahlen weiter zurückgegangen:   Angesichts dessen sind die Pfarrstellen in Hartum seit Juni 2001 und in Hahlen seit Februar 2004 auf 75%-Stellen reduziert worden. Seit November 2007 ist die Pfarrstelle in Hahlen wieder in eine 100%-Stelle umgewandelt worden und die Pfarrstelle in Hartum ist (nach Eintritt in den Ruhestand des Amtsinhabers) zunächst durch einen Pastor im Entsendungsdienst zu 50 % besetzt worden. Nach einigen Jahren mit Gesprächen mit der Kirchengemeinde Holzhausen Nordhemmern kam es 2015 zur Fusion Seitdem gibt es   zwei Pfarrstellen.

 

1.3

Das Grundangebot der regelmäßigen Veranstaltungen im Jahreskreis

 

1.3.1. Auf Grund der Pfarrstellensituation ist es nicht möglich, an jedem Sonntag einen Gottesdienst an jeder der vorhandenen drei Predigtstätten anzubieten.

In der Kirche zu Hartum  und in der Marienkapelle Hahlen finden abweschselnd Gottesdienste statt, ebenso in der Kirche in Holzhausen im Wechsel mit der Kapelle Nordhemmern.  Die Gottesdienste sind meist eher traditioneller Form, an Festtagen und auch sonst oft mit reichhaltiger musikalischer  Gestaltung. Gelegentlich gibt es Familiengottesdienste oder andere besondere Formen

Im Gemeindehaus Hahlen finden fast jeden Sonntag um 11.00 Uhr Gottesdienste statt, mit stärkerer Betonung eines Lobpreis- und Anbetungsteiles und unter Einbindung einer größeren Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter. Dieser Gottesdienst spricht in der Regel eher jüngere Menschen (mit und ohne Familie) an.

Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch entspricht etwa 10% der Gemeindeglieder, wenn man die wechselnden Besucher dazurechnet. Außerdem finden am Sonntag Kindergottesdienst statt (monatlich in Holzhausen und immer parallel zum 11.00-Uhr-Gottesdienst in Hahlen, dort auch die Möglichkeit zur Gottesdienst-Teilnahme in einem separaten Eltern-Kind-Raum).

1.3.2. Die besonderen Gottesdienste im Jahreslauf, die in vielfältiger Weise auch viele distanzierte Gemeindeglieder erreichen, sind:

  •   Konfirmationen  meist  in der Kirche zu Hartum und  Jubiläums – Konfirmationen
  • Der gemeinsame Hagelfeiertag (Erntebitt-Gottesdienst) am Montag nach Trinitatis in der Kirche zu Hartum
  • Der gemeinsame Gottesdienst am Nachmittag des Ewigkeitssonntages
  • In  der Passionszeit finden Passionsandachten statt
  • Freiluftgottesdienste, Schulgottesdienste und Kindergartengottesdienste mehrmals jährlich

1.3.3. Regelmäßige Gemeindeangebote

1.3.3.1. für Kinder und Jugendliche (oft  in Verantwortung der CVJM´s)

  • Jugendtreff und Jugendhauskreis
  •  Jungschar
  • 2 Kindergärten und religionspäd. Angebot in der städtischen Kindertagesstätte
  • 2 Krabbelgruppen
  •  Pfadfinderarbeit

1.3.3.2. Bibel und Gemeinschaft:

  • Bibelstunde und 10 Hausbibelkreise
  • zwei Männerkreise und fünf Frauenkreise (Frauenhilfe )
  • Arbeit an der Bibel in Offenen Bibelabenden und in Seminaren (z.B. Alpha-Kurs) ist wesentlicher Bestandteil unserer Gemeindearbeit.

1.3.3.3. Veranstaltungen und Angebote insbesondere auch für Kirchenferne:

  • Seniorenwoche mit Gastredner über biblisch-theologische Themen, Seniorenfeier
  • Vortragsabende, Konzerte, Filmabende, Evangelisationen, Frauenfrühstückstreffen
  • Freizeiten für Konfirmanden, Jugendliche, Familien und Senioren
  • Gemeindebrief

1.3.3.4. Kirchenmusik:

  • Kirchenchor, Gospelchor,Frauenchor 
  • 2 Posaunenchörer
  •  Lobpreisgruppen
  • 1 KInderchor und Jugendbandarbeit

1.3.3.5. Rituelle und festliche Begleitung an den Eckpunkten des Lebens:

In der Kirchengemeinde wird viel Wert auf Amtshandlungen und auf die Begleitung festlicher Höhepunkte im Leben der Menschen gelegt. Die Pfarrer und Mitarbeiter (Chöre, Besuchsdienst und Bezirksfrauen) investieren hier Zeit. Der Posaunenchor spielt bei hohen Geburtstagen und Hochzeitsjubiläen. So ergeben sich viele Kontakte auch zu distanzierten Gemeindegliedern.

 

1.4

Diakonisches Handeln, Seelsorge und Beratung

 

Es bestehen Kontakte zum Altenheim in Hille zur    Tagespflege in Hartum und zur Mindener Tafel durch die Pfarrer und/oder Gemeindeglieder. Ein Kreis für psychisch Labile und ihre Angehörigen trifft sich regelmäßig im Gemeindehaus Hartum. Vielfältiges diakonisches Handeln geschieht überdies durch Gemeindeglieder, die inoffiziell Haus- und Krankenhausbesuche machen.

In der Kirchengemeinde hat sich ein Seelsorge-Team etabliert. In diesem Team arbeiten außer dem Pastor mehrere Ehrenamtliche mit, die durch intensive Ausbildung und Fortbildung für ihren Dienst geschult werden.

 

1.5

Leitungs- und Verantwortungsstruktur

 

1.5.1 Das Presbyterium der Gemeinde trägt die Verantwortung für die Arbeit in der Gemeinde. Auf ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen den besonderen Dienstämtern der Gemeinde, den Gaben des Einzelnen und dem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen wird Wert gelegt.

Als hauptamtliche Mitarbeiter sind in der Gemeinde die beiden Pfarrer , die pädagogischen Kräfte im Kindergarten Hartum und der, auf Spendenbasis angestellte, Diakon in der Kinder- und Jugendarbeit mit einem 75prozentigen Stellenumfang 

Hinzu kommen nebenamtliche Kräfte, die im Pfarrbüro, im Küster- und Hausmeisterdienst sowie in der Kirchenmusik mitarbeiten.

1.5.2 In jedem Pfarrbezirk gibt es Mitarbeiterkreise, die sich regelmäßig treffen. Wer in der Gemeinde ehrenamtlich mitarbeitet, soll sich hier angenommen wissen, gefördert und begleitet werden. Der jeweilige Pfarrer, Presbyteriumsmitglieder und Mitarbeitenden des Bezirkes besprechen und planen die Arbeit vor Ort. Es bestehen zur Zeit für die ca. 170 Ehrenamtlichen folgende Mitarbeiterkreise:

  • drei Bezirksausschüssen und zwei Mitarbeiterkreise
  • Kindergottesdienst-Mitarbeiter-Kreis
  • Jugendmitarbeiterkreis
  • Hauskreisleiter-, Moderatoren- und Seelsorgemitarbeitertreffen
  •   Bezirksfrauenkreise und Teams zur Leitung der Frauenkreise
  • es gibt außerdem Verteilgruppen für den Gemeindebrief und Teams, die den Technik-, Begrüßungs-, Küster- und Lektorendienst bei den Gottesdiensten versehen. Hier finden aber nur in Ausnahmefällen Mitarbeitertreffen statt.

 

1.6

Gebäude, Finanzen, Ressourcen und finanzielle Verpflichtungen

 

1.6.1 Gebäude
Hartum: Kirche (900 Plätze), Gemeindehaus mit angebauter Küsterwohnung, Pfarrhaus. Der Kindergarten  ist im kommunalen Eigentum.

Holzhausen-Nordhemmern: 1 Kirche 1 Kapelle, 1 Gemeindehaus, Kindergarten in kommunalem Eigentum

Hahlen: Marienkapelle (170 Plätze), Gemeindehaus mit angebauter Wohnung, Pfarrhaus.
Das Jugendhaus Dornbusch wird von der CVJM Teestubenarbeit als Eigentümer verwaltet. Die Kirchengemeinde beteiligt sich in geringem Umfang an den Heizkosten.

1.6.2 Finanzen
Die Personalkosten, die Bewirtschaftung aller Gebäude und Liegenschaften, sowie die vorweg abgezogenen Kosten für den Kindergarten verbrauchen einen derart großen Anteil der Haushaltsmittel, dass die Vielfältigkeit der Arbeit nur durch zusätzliche Spendenmittel möglich ist. In der Gemeinde wird insbesondere um Spenden gebeten für die

  • Finanzierung der Stelle des Diakons in der Kinder- und Jugendarbeit
  • Finanzierung der laufenden Arbeit (z.B. Bauangelegenheiten)
  • Finanzierung der Kirchenmusik
  • Unterhaltung der Verpflichtungen in den ökumenischen Beziehungen ( siehe unten)

 

1.7

Ökumenische Beziehungen

 

1.7.1 Der Pfarrbezirk Hahlen unterstützt seit Jahren ein Projekt des Kinderhilfswerks „Global Care“ in Itaituba/ Brasilien mit von durch Spenden finanzierten Schulen, Kindergarten und Klinik. Dieses Projekt hat seinen festen Platz im Kollektenplan der Gemeinde. Ähnlich ist es im Bezirk Holzhausen – Nordhemmern mit dem SchulspeisungsProjekt in Malawi in Verbindung mit dem Verein Mlango.

1.7.2 Eine Reihe von Patenschaften – vermittelt durch „Global Care“, „Kindernothilfe“, u.a.- wird in Gemeindegruppen (Frauenhilfe, Kindergottesdienst) und Familien gepflegt.

1.7.3 Auch zu einem Missionarsehepaar in Indien und in Argentinien  gibt es regelmäßige Kontakte und Unterstützung

 

2. Grundsätze für das Leben in unserer Kirchengemeinde

2.1  „Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Angesicht suchen. Darum suchen wir auch Herr, dein Angesicht“ (Ps. 27,8) Wir wollen betende und anbetende Gemeinde sein. Jesus Christus als Herr unsres Lebens steht im Zentrum der Gemeinde und weiß den Weg für uns! Wir erkennen diesen Weg durch unser Hören auf die Heilige Schrift und auf das, was Gottes Geist unter uns zeigt und wirkt. Im Lob Gottes wollen wir den Blick von uns selbst weg auf ihn richten.

 

2.2  „Ihr als lebendige Steine; lasst euch erbauen zum geistlichen Hause“(1.Pet. 2,5) Wir wollen Gemeinde mit Jesus als Fundament miteinander bauen und gestalten. Jeder Mensch ist von Gott begabt, niemand ein Alleskönner, keiner ist überflüssig. Wir wollen Menschen helfen, ihre Gaben zu entdecken, zu fördern und in die Gemeinde einbringen zu können. Die Gemeinde ist nicht pfarrerzentriert. Statt Betreuer und Macher der Gemeinde zu sein, ist die Rolle des Pfarrers eher die des Trainers und Befähigers.

 

2.3  „Freut euch mit den Freuenden und weint mit den Weinenden“( Röm. 12,15) Wir wollen diakonisch-seelsorgerliche Gemeindesein. Es geht darum, den Menschen als Geschöpf Gottes in seiner Ganzheit wahrzunehmen und ihm zu helfen, ein im Sinne Gottes gelingendes Leben zu führen. Dies geschieht insbesondere dadurch, dass Menschen bereit sind, sich auf die Nöte der Menschen in ihrem Umkreis einzulassen. Hier liegt eine besondere Herausforderung der Pfarrer, aber es braucht auch andere, die eine Anleitung und Begleitung für den seelsorgerlichen Dienst in der Gemeinde erhalten. Besuche der Pfarrer und Anderer zu Geburtstagen von älteren Gemeindegliedern und im Krankenhaus sind wichtig.

 

2.4  „Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte…Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen und sie werden meine Stimme hören.“ (Joh. 10, 14,a + 16) Wir wollen am Weg Jesu in die Welt teilhaben und missionarische Gemeindesein. Unser Ziel ist es, für die Menschen da sein und nach Wegen suchen, um Menschen vom Rand der Gemeinde auf vielfältige Weise mit dem Evangelium zu erreichen also im tiefsten Sinn des Wortes einladende Gemeinde sein. Dies geschieht gerade durch persönliche Beziehungen und wird durch missionarische Veranstaltungen unterstützt. Dabei wollen wir möglichst alle Altersstufen ansprechen. Eine besondere Aufgabe sehen wir aber darin, dass es gute Angebote für Kinder und Jugendliche gibt.

 

2.5  „So sollen auch sie in uns alle eins sein“ (Joh. 17,21) Wir wollen als Gemeinde Einheit in der Vielfalt anstreben. In (Klein-)gruppen und Kreisen möchten wir verbindlich christliche Gemeinschaft gestalten. Wichtig ist uns auch, in den Gemeindebezirken noch näher zusammenzurücken und über verschiedene Lebensalter oder unterschiedliche Glaubensprägungen hinweg Gemeinschaft zu leben. Uns ist bewusst, dass unsere Kirchengemeinde größer ist als die evangelische Bevölkerung unserer Dörfer. Wir sind dafür offen und begrüßen es, dass auch Menschen, die nicht hier wohnen, in unserer Gemeinde eine geistliche Heimat finden.

 

2.6  „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer. 29,7) Unsere Gemeinde lebt im Kontakt zu anderen Gruppen und Vereinen am Ort. Aber wir wollen auch offen sein für die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden in unserer Nachbarschaft.

Wir pflegen Kontakt mit anderen christlichen Gemeinden und Gemeinschaften die zur Evangelischen Allianz oder zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gehören, um im Gebet und Aktionen gemeinsam für unsere Region einzustehen.